Brasilien - ein Zukunftsmarkt mit Perspektive für deutsche Mittelständler
Die Zeiten in denen Brasilien als ein Entwicklungsland bezeichnet werden konnte sind längst vorbei. Heute ist das lateinamerikanische Land eine globale Wirtschaftmacht, die verstärkt in den Fokus international agierender Unternehmen aus Deutschland rückt. Auch klein- und mittelständische Unternehmen wagen den Blick über den Atlantik.
Diese Beachtung Brasiliens ist auch zu Recht begründet, denn das Land ist derzeit der Wirtschaftsmotor des lateinamerikanischen Kontinents. Lange vorbei sind die Zeiten mit explodierenden Inflationsraten im vierstelligen Bereich und sozialen Unruhen. Seit Jahren befindet sich der lateinamerikanische Riese auf Wachstumskurs. Selbst die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise konnte Brasilien nicht von der stabilen Wirtschaftsentwicklung abbringen.
Der beständige politische Kurs, die solide Geldpolitik der Banco Central do Brasil und die von der Regierung Lulas unternommenen Reformen in vielen Bereichen bieten stabile Rahmenbedingungen für deutsche Unternehmen, die Interesse an Brasilien haben. Die stetig steigende Konsumnachfrage und die Konsumfreudigkeit der Brasilianer sowie diverse Großprojekte im Land wie beispielsweise die FiFa WM 2014 und die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro 2016 steigern zusätzlich die Attraktivität des brasilianischen Marktes für deutsche Unternehmen.
Vorteile für deutsche Unternehmen in Brasilien
- Stabile politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen
- Fortsetzung des von Lula eingeschlagenen politischen Reformkurses durch die neue Staatspräsidentin Dilma Rousseff
- Brasilianische Wirtschaft weiterhin auf Wachstumskurs trotz weltweiter Finanz- und Wirtschaftskrise
- Modernes und solides Bank- und Finanzsystem
- Qualifiziertes Managementpersonal
- Der derzeit sehr starke brasilianische Real (R$) macht deutsche Exporte nach Brasilien zunehmend wettbewerbsfähiger
- Starke Impulse für die Wirtschaft aus der Öl- und Gasbranche, dem Infrastrukturbau und den sportlichen Großereignissen (FiFa Weltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro)
- Rohstoff- und Agrarreichtum in Kombination mit der Notwendigkeit zur technologischen Modernisierung des vorhandenen Maschinenparks
Wirtschaftliche Chancen in Brasilien
Brasilien, mit seiner dynamischen und ständig wachsenden Wirtschaft, gehört nicht nur zu den aufstrebenden BRIC-Staaten denen eine blühende Zukunft vorhergesagt wird, sondern wird auch als Mitglied der G20-Staaten längst als ein wirtschaftliches Schwergewicht wahrgenommen. Die brasilianische Wirtschaft ist im Jahr 2010 mit einer Rate von 6 bis 7 Prozent gewachsen und stellt somit die mächtigste Wirtschaftsmacht auf dem lateinamerikanischen Kontinent dar.
Die Mitgliedschaft Brasiliens in Mercosur (span.: Mercado Común del Sur), dem wirtschaftlichen Zusammenschluss mehrerer lateinamerikanischer Länder, und der riesige Binnenmarkt Brasiliens mit über 185 Mio. potenziellen Kunden machen das Land zu einem attraktiven Absatzmarkt für europäische Anbieter.
Investitionsklima/Investitionen
Die Regierung Brasiliens hat ein investitionsstarkes Konjunkturprogramm auf die Beine gestellt, um die brasilianische Wirtschaft während der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise zu unterstützen. Im Rahmen dieses Konjunkturpakets stehen insbesondere der Infrastrukturausbau und der Sozialwohnungsbau in dem Vordergrund. Laut GTAI sollen bis Ende 2010 32 Mrd. Euro in die Modernisierung und den Ausbau des Straßen- und Schienennetzes investiert werden. Zusätzlich sollen Häfen und Flughäfen erneuert und ausgebaut werden. Diese Projekte bieten vor allem Geschäftschancen für deutsche Ingenieur- und Planungsbüros.
Des Weiteren wurde von der brasilianischen Regierung ein Förderfonds für den sozialen Wohnungsbau in Höhe von insgesamt 170 Mio. Euro eingerichtet. Die finanziellen Mittel stehen für die Errichtung bis zu einer Million Sozialwohnungen im Rahmen des Sozialprogramms „Minha Casa, Minha Vida“ bereit. Zusätzlich sollen 85 Mrd. Euro in die soziale und urbane Infrastruktur investiert werden. Deutsche Unternehmen können von den Bauvorhaben als Zulieferer von Baumaterial profitieren oder Planungs- und Architekturdienstleitungen anbieten.
Zur Vorbereitung auf die WM 2014 sind Ausgaben für den Stadien-, Hotel- und Hafenbau sowie für den öffentlichen Nahverkehr in Höhe von insgesamt mehr als 7,5 Mrd. Euro geplant. Geschäftschancen in diesem Bereich ergeben sich hauptsächlich für Planungs- und Architekturbüros und für Anbieter von Sicherheitstechnik und Elektronik.
Zurzeit laufen auch diverse Großprojekte im Bereich der erneuerbaren Energien. Berater und Zulieferer für Solar- und Windkraftwerke werden gesucht. Hier können deutsche Unternehmen als Vorreiter auf dem Gebiet der regenerativen Energie punkten.
Viel versprechende Geschäftschancen für Technologie- und Komponentenanbieter aus Deutschland ergeben sich in der Öl- und Gasförderbranche. Der zu einem Großteil in staatlichen Händen gehaltenen Großkonzern Petrobras will die vor kurzem entdeckten riesigen Pré-sal Ölfeldern vor der Küste Brasiliens abschöpfen. Dazu benötigt er ausgereifte Technologie aus dem Ausland. Zusätzlich hat Petrobras einen sehr hohen Bedarf an elektronischen Komponenten. Der Investitionsplan des Ölkonzerns sieht bis 2013 Investitionen in Höhe von 174 Mrd. US$ für die Erschließung der Pré-sal Felder vor. Zu diesem Zweck unternahm Petrobras kürzlich die weltweit größte Kapitalerhöhung aller Zeiten, um 70 Mrd. US$ zu generieren.
Im Bereich des Umweltschutzes (Abwasser- und Abfallbeseitigung und –aufbereitung) fehlt es oft an Projekten, obwohl der Bedarf existent ist und von der Regierung erkannt wurde. Diese stellt für Umweltprojekte 13,3 Mrd. Euro bereit, die zum Beispiel im Rahmen von Public Private Partnership- Projekten abgerufen werden können.
Auch die Privatwirtschaft eröffnet deutschen Unternehmen Möglichkeiten an dem Wirtschaftsboom in Brasilien teilzuhaben. So realisierte beispielsweise die brasilianische Automotive Industrie im Krisenjahr 2009 dank staatlicher Hilfe einen Verkaufsrekord. Großkonzerne wie Hyundai und Toyota bauen in Bundesstaat São Paulo neue Werke auf und deutsche Automobilbauer wie VW kündigten Kapazitätserweiterungen an. Es kann sich für Automobilzulieferer durchaus lohnen, ihre bestehenden Geschäftsaktivitäten in Brasilien zu intensivieren oder solche dort zu gründen. Doch auch andere Wirtschaftsbereiche bieten zahlreiche Chancen.
Für Investitionshemmnisse sorgen weiterhin die in manchen Wirtschaftssphären weit reichenden Local Content-Vorschriften sowie das träge und komplexe Bürokratiesystem in Brasilien. Zudem verfügt der lateinamerikanische Riese über eins der schwierigsten und unübersichtlichsten Steuersysteme.
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Konsumklima/Konsum
Die Brasilianer sind sehr konsumfreudig und offen gegenüber neuen Produkten oder Dienstleitungen, so dass Produktneueinführungen generell auf Interesse bei den Konsumenten stoßen. Zusätzlich haben die vom ehemaligen Präsident Lula initiierten sozialen, wirtschaftlichen und politischen Reformen im Land dazu geführt, dass eine Großzahl der früher benachteiligten ärmeren Bevölkerung den sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg in die Mittelklasse geschafft hat. Dieser wachsende Teil der Bevölkerung, verfügt nun über das Einkommen und die Bereitschaft, mehr zu konsumieren. Allerdings ist der Leitzins der Banco Central do Brasil mit 10,75 % sehr hoch, was eine Kreditfinanzierung zu Konsumzwecken extrem teuer macht. Aus diesem Grund spielen Finanzierungsfragen bei Konsumkäufen eine äußerst wichtige Rolle und können schon über Kauf oder Nicht-Kauf entscheiden.
Außenhandel
Tor in ganz Lateinamerika
Der Markteinstieg in Brasilien eröffnet deutschen Unternehmen nicht nur einen konsumfreudigen heimischen Markt, in dem die Binnennachfrage weit von der Sättigungsgrenze entfernt ist, sondern auch das Tor zu ganz Lateinamerika. Als Mitglied des Mercosur kann das Land als Ausgangsbasis für Exporte in die weiteren Mercosur- Staaten genutzt werden. So können mehrere lateinamerikanische Märkte nach und nach erschlossen werden.
Basisdaten Brasilien
| Ländername | Föderative Republik Brasilien |
| Bevölkerung | 185.712.713 [1] |
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| Bevölkerungswachstum | 1,0% (Schätzung 2010) |
| Geschäftssprachen | Portugiesisch, Englisch |
| Hauptstadt | Brasilia |
| Bundesstaaten | Acre,
Amapá, Amazonas, Pará, Rondônia, Roraima, Tocantis, Alagoas, Bahia, Ceará, Muranhão, Paraíba, Pernambuco, Piauí, Rio Grande do Norte, Sergipe, Goías, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul, Distrito Federal Brasilia, Espírito Santo, Minas Gerais, Rio de Janeiro, São Paulo, Paraná, Santa Catarina, Rio Grande do Sul |
| Fläche des Landes | 8.514.215 qkm |
| | |
| Wechselkurs | 1
EUR = 2,34 Real (R$) 1 US$ = 1,72 Real (R$) jeweils zum 23.11.2010 [2] |
| Regionale wirtschaftliche Zusammenschlüsse | Mecrosur |
| Rohstoff | Agrarisch:
Soja, Zuckerrohr, Kaffee, Orangen, Fleisch, Mais, Reis, Maniok Mineralisch: Niob, Tantal, Bauxit, Zinn, Eisen, Mangan, Nickel, Graphit, Gold, Edelsteine, Erdöl, Erdgas, Uran |
| BIP (nom. In US$.) | 1.910 Mrd. (Schätzung für 2010) |
| BIP je Einwohner (in US$) | 9.886 (Schätzung für 2010) |
| BIP Entstehung (in%) | 2009:
verarbeitende Industrie 15,5; Handel 11,9; Immobilien 8,4;
Finanzdienst- leistungen 7,3; Landwirtschaft 6,1; Bau 5,1; Transport und Logistik 5,1; Informationsdienstleistungen 3,6 |
| BIP Verwendung (in%) | 2009:
privater Verbrauch 62,8; Staatsverbrauch 20,8; Bruttoanlageinvestitionen 16,5; Außenbeitrag -0,1 |
| Inflationsrate (in%) | Prognose 2010: 5,1 Prognose 2011: 4,6 |
| Arbeitslosigkeit (in%) | 2009: 8,1 |
| Einfuhrgüter (% der Gesamteinfuhr) | 2009:
Maschinen 14,7; Erdöl 11,1; chemische Erzeugnisse (ohne Arzneimittel u.
organische Chemikalien) 10,7; Elektrotechnik 10,0; Elektronik 9,6; Kfz u. –Teile 8,9; organische Chemikalien 5,1; Arzneimittel 4,0; Metallwaren 2,0 |
| Ausfuhrgüter (% der Gesamtausfuhr) | 2009:
Maschinen 9,1; Eisenerz 8,7; Erdöl 8,2; Ölsaaten u. ölhaltige Früchte (v.a.
Soja) 7,5; Zucker 5,5; Kfz- u. Teile 5,3; Eisen und Stahl 4,7 |
www.brasilienmagazin.net
[2] Vgl. www.umrechnung24.de